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schrieb am 23. August 2026 um 20.28 Uhr
Predigt Pastor Michael Rademacher im Auferstehungsgottesdienst für Herbert Korfmacher:
Liebe Freunde, Freundinnen und Weggefährten von Herbert Korfmacher, Schwestern und Brüder im Glauben.
Von einem sehr alt gewordenen, kleinen Mann müssen wir uns heute Nachmittag verabschieden, von jemandem, der bis zuletzt jedoch jung und klar bei Verstand war und dessen Leben geprägt war von einer Größe, die ganz besonders ihren Ausdruck fand in einem tiefen Glauben an die Nähe und Gegenwart Gottes. Aus der Tiefe des Geheimnisses, das wir Gott nennen, kommt uns die Zusage entgegen: Ich bin da, wo du bist. Von dieser gläubigen Gewissheit war sein Leben und Wirken geprägt. Allerdings nie in vollmundiger, großspuriger, absolut sicherer Sprache, sondern vorsichtig, mit tastendem Glauben, unaufdringlich, einladend, bescheiden und authen-tisch; wohlwissend, dass nichts von seinem Gottesglauben selbstgemacht war, sondern gnadenhaft geschenkt. Er war sich immer seiner begrenzten menschlichen Möglichkeiten bewusst und hat zeitlebens gespürt, was der Apostel Paulus in der Lesung aus dem Römerbrief so ausgedrückt hat: Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Herbert hat sich so wie er war, auch mit seiner Schwachheit, Gott und den Menschen ganz zur Verfügung gestellt und auch immer wie-der mal erfahren dürfen: der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. Und dann hat er sich wohl auch manchmal wie Petrus im Evangelium darüber gewundert, wie reich - trotz manch vorheriger Vergeblichkeit - der Ertrag seiner Mühen war. Bei allem war ihm klar, - auch wenn er in seinem langen Leben als Priester und Seelsorger vieles hat wachsen sehen dürfen, was er durch Wort und Tat und durch persönlichem Beispiel ausgesät hat - dass er letztendlich vor Gott mit leeren Händen stand, wie wir es eben im Lied gesungen haben. Andrerseits war Herbert aber auch der Typ, der nichts dem Zufall überlassen konnte, da war sozusagen Vorsorge mit vollen Händen angesagt. Das ist mir besonders deutlich geworden bei seiner minutiösen Planung für sein eigenes Begräbnis: Todesanzeige, Adressen seiner unzählig vielen Bekannten, Vorbereitung für den Gottesdienst, Ort des Begräbnisses. All das hat ihn bis kurz vor seinem Tod immer wieder beschäftigt, und liebe Menschen haben ihm dabei geholfen all diese Fragen in Ruhe zu klären, damit er schließlich auch in Ruhe und Gelassenheit selbst loslassen konnte.
Und dennoch, dieses Lied von den leeren Händen gehörte bezeichnender Weise zu den Lieblingsliedern von Herbert. Ein Glaubenslied nach seinem Geschmack, nach seinem tastenden Glaubensverständnis, auch mit Fragen und Zwei-feln; aber bei allen Höhen und Tiefen immer ausgerichtet auf das ewige Ziel in Gott: Sprich du das Wort, das tröstet und befreit, und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben. Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.
Bei diesen Lied - mit seiner wohltuenden Melodie und mit seinen einfühlsamen Worten hat Herbert in seinem Sterben noch einmal kurz seine Augen geöffnet und sich dann vom Herrgott heimholen lassen in das Land, das keine Grenzen kennt, betend begleitet durch Heinz und Mexe Toppmöller.
Liebe Freunde, Freundinnen und Weggefährten von Herbert, Schwestern und Brüder im Glauben.
Ich habe mit Herbert 5 Jahre lang im Pastoralteam Hüttental/Dreistiefenbach zusammengearbeitet: 5 Priester, ein Diakon, eine Gemeindereferentin. Da habe ich ihn und seine liebe Haushälterin Gisela Mekus, die damals zugleich auch als Gemeindereferentin mit uns zusammengearbeitet hat ken-nengelernt. Giselas Tod im November vorigen Jahres hat Herbert tief getroffen. Immer wieder hat er in den letzten Monaten ihr Grab in Rietberg besuchen können - bis kurz vor seinem, weil Menschen, die er jahrelang in einem Bibelkreis in Rietberg begleitet hat, nun ihn begleitet haben und ihm bis zum Ende seines Lebens zur Seite standen.
Herbert war in unserem Team im Siegerland immer so etwas wie der Spiritual, der ganz viel dazu beigetragen hat, dass unsere wöchentlichen Treffen nicht nur nüchterne Teamsitzungen waren, sondern immer auch geistliche Begegnung und gegenseitige Stärkung im Glauben, besonders auch durch die geistlichen Sonntagabende einmal im Monat und durch gemeinsame Exerzitien in diversen Klöstern. Herberts Tag begann immer sehr früh in aller Stille. Zwischen 6,00h und 6,30 ging er im Bademantel vom Pfarrhaus in der Wenscht zur daneben liegenden Kirche, um die Kirche aufzuschließen. Ein Vorgang, an dem ich mich unmittelbar erinnert habe, als ich am vorletzten Sonntag über Herberts Tod und seine Todesstunde informiert worden bin. Mein erster Gedanke war: 6 Uhr dreißig, genau die Zeit, wo früher Herbert immer die Marienkirche aufgeschlossen hat, da hat der Herrgott ihm am Sonntagmorgen die Tür zum Himmel aufgeschlossen.
Vieles, was vielen Herbert bedeutet und bedeutet hat, muss leider ungesagt bleiben. Doch zwei Dinge müssen unbedingt noch gesagt werden. Das eine sind Herberts eigene Worte, die er bei Exerzitien mit Gotthard Fuchs im Jahr 2013 in Elkeringhausen aufgeschrieben hat unter der Fragestellung: Wer möchte ich geworden sein, wenn ich gewesen bin? Seine Anwort auf diese Frage lautet so:
Ein freundlicher alter Mann, zufrieden, dankbar, geduldig und fromm, offen und neugierig für das, was kommt. Auch jenseits der Todesgrenze.
Ein Mitmensch, der zugewandt, hörbereit, verständnisvoll, mitfühlend und mitleidend ist, der sich auch mitfreuen kann.
Einer, der sparsam, lauter und ehrlich ist und auch großzügig sein kann.
Einer, der Respekt hat vor Menschen mit anderen Meinungen, der Mut hat, mit Menschen das Gespräch zu suchen, mit den-en es nicht leicht ist.
Einer, der Kritik annehmen kann, der unabhängig ist von den Rückmeldungen anderer.
Jemand, der über sich selbst lachen kann.
Ein Zeitgenosse, der immer tiefer in die biblische Botschaft einzudringen versucht und einer, der immer neu Fähigkeiten entwickelt, Abschiede zu gestalten.
Lieber Herbert, all das bist Du geworden in Deinem langen Leben, das wird mir gerade jetzt besonders bewusst, da Du nun gewesen bist.
Aber etwas ganz Wichtiges würde fehlen, wenn es in der dankbaren Erinnerung an Dich nicht zur Sprache käme: Dein großes Herzensanliegen - die Ökumene - nicht die in schönen Worte, sondern die gelebte Ökumene. Wohl kaum jemand kann uns dazu mehr sagen als die Pfarrerin Frau An-nette Kurschus, mit der Dich eine lange gemeinsame Geschichte verbindet und die uns jetzt davon erzählen möchte: